https://www.derstandard.at/story/2000089009624/independent-space-festival-wenn-kunst-auf-herbergssuche-geht

Ein DJ-Marathon mit besonderem Dreh erwartet am kommenden Samstag die Besucher des Kunstraums School: Im Rahmen des Independent-Space-Festivals wird von zw├Âlf Uhr mittags bis Mitternacht ausschlie├člich Musik von Frauen gespielt. F├╝r den von Yasmina Haddad und Andrea Lumplecker betriebenen Kunstraum ist dieser feministische Schwerpunkt ebenso programmatisch wie das Einbeziehen unterschiedlicher Disziplinen. Seit 2011 realisieren sie in ihrem Ladenlokal regelm├Ą├čig Ausstellungen und Performances, aber auch DJ- und Filmabende.

Typisch ist dieser lange Zeitraum f├╝r die selbstorganisierten Offspaces oder Alternative Spaces allerdings nicht. Der Betrieb kostet viel Zeit, Arbeit und Geld ÔÇô wobei eine halbwegs g├╝nstige Miete Grundvoraussetzung ist. Kein Wunder ist es daher, dass viele dieser R├Ąume nicht unbedingt die besten Adressen haben: Der relativ junge Raum Tower er├Âffnete in der Kratochwjlestra├če in der Donaustadt; Kluckyland, schwerpunktm├Ą├čig auf aktuelle Malerei konzentriert, befindet sich im 20. Bezirk. Ebendort hat auch Ve.Sch, ein von Martin Vesely ├╝ber viele Jahre erfolgreich in der Schleifm├╝hlgasse betriebener Raum, soeben wieder aufgemacht.

Bedrohte Freir├Ąume

Die meisten der derzeit insgesamt 58 selbstorganisierten Ausstellungsr├Ąume werden vom Bund so weit unterst├╝tzt, dass sie zumindest einen Teil der Produktionskosten abdecken k├Ânnen. 2017 sah man sich jedoch durch die K├╝rzungsabsichten der t├╝rkisblauen Regierung bedroht. Noch im selben Jahr haben Bruno Mokross (vom Kunstraum Pina) und Franziska Sophie Wildf├Ârster (vom Kevin Space) die Independent-Space-Plattform ins Leben gerufen und ├╝ber ein Festival nachgedacht.

Von Donnerstag bis Samstag geht dieses erstmals ├╝ber die B├╝hne. Offizieller Startschuss ist eine Party im Celeste, zum potenziell extensiven Ausstellungsrundgang kann man aber schon aufbrechen, wenn ab 19 Uhr die Ausstellungen er├Âffnet werden. Den Organisatoren der Pr├Ąsentationen, Performances, Talks etc. geht es darum, in geballter Form aufzuzeigen, wie wertvoll ihre nichtkommerziellen Beitr├Ąge f├╝r das Wiener Kulturleben sind.

Dass ein Teil der R├Ąume mittlerweile zu professionell gef├╝hrten Vernetzungstreffs avanciert ist und das Wort "off" ÔÇô abseits ÔÇô auf deren Kunst l├Ąngst nicht mehr unbedingt zutrifft, zeigt sich beispielhaft im B├╝ro Weltausstellung. Zu sehen sind dort neben jenen von "emerging artists" oft auch Werke von Gelatin, Erwin Wurm oder Heimo Zobernig.

Dennoch seien an dieser Stelle die eher "abseitigen" Pfade empfohlen: zum Beispiel der Kunstraum Size Matters (mit Signe Baumane und Viktoria Tremmel) und der Gomo Art Space (u. a. mit Adnan Balcinovic, Elisabeth Gr├╝bl); oder die Kunsttankstelle Ottokring, wo man unter anderem Arbeiten der Experimentalfilmerin Mara Mattuschka zeigt. (Christa Benzer, 10.10.2018)